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Jahresrückblick 2019: «Natur findet Stadt» – mehr Gemeinden, mehr Biodiversität!

Das zweite Projektjahr von „Natur findet Stadt“ ist in den fünf teilnehmenden Gemeinden gut gelaufen. Viele naturnahe Flächen sind entstanden – in privaten Gärten und auf öffentlichem Grund. Und mit vier neuen Gemeinden verspricht dieses Jahr ein hervorragendes Naturjahr zu werden!
 
Das Projekt «Natur findet Stadt» ist 2019 mit fünf teilnehmenden Gemeinden gestartet. Die Gemeinden Aarau, Mellingen und Wohlen konnten bereits 2018 zahlreiche Garten- und Balkonbesitzerinnen und -besitzer für naturnahe Gartenelemente begeistern. Neu dazu kamen Rothrist und Küttigen. Bestandteil des Projektes ist, dass teilnehmende Gemeinden eine öffentliche Fläche ökologisch aufwerten und so ihre Vorbildfunktion wahrnehmen. Am Einweihungsanlass in Küttigen und Rothrist wurden die neuen Flächen der interessierten Bevölkerung vorgestellt und die Gemeinden riefen zur Nachahmung in den eigenen Gärten auf. Interessentinnen und Interessenten wurden im Projektjahr mit Ideen für verschiedene ökologische Aufwertungen aus dem Massnahmenkatalog und einer Gartenberatung vor Ort unterstützt. Die Begeisterung für naturnahe Flächen wurde durch Gartenapéros und Anlässe zum Thema weiterverbreitet.
 
Aarau blüht auf

Aarau stand im zweiten Projektjahr wieder ganz im Zeichen der Wildpflanzen und Wildbienen! Zahlreiche Veranstaltungen begleiteten das Projekt. Zehn interessierte Balkon- und Gartenbesitzerinnen und -besitzer meldeten sich neu an. Mit 73 Teilnehmenden waren viele Interessierte bereits 2018 bei „Natur findet Stadt“ dabei. Gut 45 Gartenprojekte konnten in den letzten zwei Jahren umgesetzt werden und zahlreiche Projekte sind bereits auf naturfindetstadt.ch eingetragen. Die Karte zeigt: ein Netz aus grünen Oasen entsteht in Aarau! An drei Gartenapéros wurden im Sommer 2019 einige vorbildliche Projekte vorgestellt und so die Begeisterung der Teilnehmenden auf ihre Nachbarschaft und Bekannte übertragen. „Natur findet Stadt“ wurde letztes Jahr auch durch den neu gegründeten Verein «Garten für Aarau» unterstützt, der an einer Standaktion «Seedballs» verteilte und seinerseits die Stadt etwas grüner gestalten möchte.
Ein Novum war 2019 in Aarau der „Tag der offenen Gartentür“. 14 Gartenbesitzerinnen und -besitzer öffneten ihren Garten der Bevölkerung. Als Auftakt des Aktionstages führte der Naturgärtner Michael Vonlanthen 30 Interessierte durch drei verschiedene Gärten und beantwortete Fragen.
Auf einer Familienexkursion und im Kindergarten Binzenhof waren die Wildbienen Thema Nummer eins! Die Kinder erforschten, wo die fleissigen Bestäuber ihre Nahrung finden und wo sie ihre Nester bauen. Der Blick in das Nest eines Hummelvolkes gab Einblick in das versteckte Leben dieser Insekten und begeisterte die Kinder.
 
Küttigen lädt seine privaten Gartenbesitzerinnen zum Mitmachen ein

In Küttigen hat die naturnahe Gestaltung und Pflege öffentlicher Flächen schon länger Tradition. Mit der Installation diverser Naturmodule in den Jahren 2017 bis 2019 ging die Gemeinde als Vorbild voran. Naturmodule sind gestaltete Elemente zur Förderung der Biodiversität im Siedlungsraum. Mit der Einladung zum Rundgang zu den verschiedenen naturnahen Flächen fiel am 25. Mai 2019 der Startschuss für Privatpersonen, die ihren Garten naturnäher gestalten möchten. 25 Anmeldungen gingen ein und etwa 10 Gartenprojekte wurden bereits umgesetzt oder befinden sich in der Entwicklung. Die Juraparkgemeinden werden durch die Geschäftsstelle des Jurapark Aargau unterstützt. So ist ein Netzwerk naturnaher Gärtnerinnen und Gärtner am Entstehen. Mehr Informationen dazu finden Sie im Artikel «Vielfältige Garten(t)räume im Jurapark Aargau» auf Seite ??? in dieser Broschüre.

Mellingen: Natur- und Vogelschutzverein und Gemeinde spannen zusammen

In Mellingen startete das Projekt im Herbst 2018. 2019 fanden mehrere Anlässe zum Thema statt. Im Februar informierte die Gartengestalterin Brigitte Balz an einem Vortrag, worauf bei der Anschaffung von ökologisch wertvollen Balkon- und Gartenpflanzen zu achten ist. Im April packte die Gemeinde mit Hilfe einer Schulklasse ihr zweites Aufwertungsprojekt an: Im Friedhof Mellingen entstand eine bunte, einheimische Wildhecke! Ebensolche Wildsträucher und Wildstauden konnten zwei Wochen später am Wildstaudenstand der Erlebnisgärtnerei Dietwyler vor dem Coop Mellingen erstanden werden. Zusammen mit dem Gärtner informierte das Projektteam die Passantinnen und Passanten über die Vorteile einheimischer Pflanzen und die Mitmachmöglichkeit bei „Natur findet Stadt“. Besonders Anklang fand der Abendspaziergang mit 40 Teilnehmenden durch ausgewählte Gärten. Bei dieser Gelegenheit wurde auch gleich eine Aufwertung eines Projektteilnehmers vorgestellt. Über das Jahr haben sich fünf zusätzliche Gartenbesitzerinnen und
-besitzer am Projekt beteiligt. Vier davon haben ihre Aufwertungsmassnahmen bereits umgesetzt.
 
Vielfältiger Vorzeigegarten in Rothrist

In Rothrist wird das Projekt neben der Gemeinde stark vom Naturschutzverein unterstützt. Als Projektstart wurde im Frühling 2019 eine öffentliche Wiese von 450 Quadratmetern vom Naturschutzverein mit Hilfe zahlreicher Freiwilliger mit verschiedenen Kleinstrukturen ausgestattet. Stellenweise wurde der Oberboden abgetragen und Wandkies eingefüllt. Eine ideale Voraussetzung für eine artenreiche Blumenwiese! Daneben entstanden eine Hecke mit einheimischen Sträuchern sowie eine Wildrosenhecke. Mit einem Libellenteich und einer Bienenweide wurde Lebensraum für verschiedene Tiere geschaffen. Die Umsetzung dieser ökologischen Aufwertungen wurde durch den Naturschutzverein und seine Sponsoren ermöglicht. Am Einweihungsfest vom 4. Mai 2019 wurde ein grosses Insektenhotel fertig gestellt und beim Postenlauf kam Klein und Gross spielerisch zum Lösungswort «Blumenwiese». Diese Blumenwiese konnten alle Teilnehmenden in einem Blumentöpfchen ansäen und nach Hause nehmen. Zehn Gartenbesitzerinnen und -besitzer liessen sich von der Idee anstecken und meldeten sich in der Folge bei „Natur findet Stadt“ an – acht davon haben schon eine Gartenberatung in Anspruch genommen. Zwei Gartenprojekte wurden bereits vollständig umgesetzt und eines bei einem Apéro der Nachbarschaft und Bekannten vorgestellt. Bei sechs weiteren Teilnehmenden wurden Teile der Gartenwünsche noch 2019 umgesetzt. Die Fortsetzung folgt in diesem Jahr!

Mehr wertvolle Flächen in Wohlen

Wie 2018 setzte Wohlen den Start des Projektjahrs 2019 auf den Naturmärt. An diesem Anlass informierte der Natur- und Vogelschutzverein Wohlen (NVW), der das Projekt begleitet, über die Vorteile naturnaher Gartenelemente und über die Mitmachmöglichkeiten bei „Natur findet Stadt“. Dieser und weitere Anlässe zogen viele Interessierte an. Über das Jahr verteilt meldeten sich 17 Gartenbesitzerinnen und -besitzer für eine Gartenberatung an – erfreulicherweise fast gleich viele wie 2018! Die Beratungen wurden je nach angegebenen Aufwertungswünschen durch Mitglieder des NVW oder eine Naturgartenfachperson aus der Region durchgeführt. Viele Beratungen fanden erst im zweiten Teil des Jahres statt und die Gartenprojekte sind deshalb noch in Planung.
2019 konnten in Wohlen wieder 7 Gärten prämiert werden: Diesen Gartenbesitzerinnen und -besitzern wurde eine Gartenauszeichnung übergeben, die Wertschätzung gegenüber ihrem Engagement ausdrückt und das Projekt sichtbar macht. Das Engagement des NVW für das Projekt lohnt sich: neben vielen naturnahen Flächen in verschiedensten Gärten konnten auch neue Vereinsmitglieder gewonnen werden!
Die Gemeinde trägt das Projekt mit und setzt mit ökologischen Aufwertungen im öffentlichen Raum eigene naturnahe Massnahmen mit Vorbildwirkung um. 2019 wurden wieder einige Strasseninseln aufgewertet und auf einem Landstück eine Hecke mit Krautsaum angelegt. Mussten Bäume ersetzt werden, wurden Elsbeere und Flaumeiche gepflanzt – Bäume mit hohem ökologischem Wert.

Ausblick und Fazit

Die Erfahrungen der letzten zwei Jahre zeigen, dass Gartenprojekte über mehr als ein Jahr hinaus verfolgt werden müssen. So wurden im zweiten Jahr deutlich mehr Projekte abgeschlossen als im ersten, da 2018 begonnene Aufwertungsmassnahmen nun in der passenden Jahreszeit ausgeführt werden konnten. Im dritten Jahr werden darum Aarau, Küttigen, Rothrist und Wohlen das Projekt weiterziehen. Da in Mellingen das Interesse klein war, überlegt sich die Natur- und Umweltkommission, das Projekt ein Jahr ruhen zu lassen. Neu dazu kommen in diesem Jahr die Gemeinden Biberstein, Muri, Niederlenz und Obersiggenthal. Im Gespräch ist das Projekt zusätzlich in Gontenschwil, Oftringen, Unterkulm und Vordemwald. Die grosse Zahl an neu teilnehmenden Gemeinden zeigt, dass sich die Idee langsam im Kanton verbreitet. Der Ansatz mit den Vorbildsflächen und der Beratung für die privaten Gartenbesitzerinnen und -besitzer kommt gut an. Etwas gehemmter wird die Idee der Gartenapéros nach erfolgter ökologischer Aufwertung angenommen. Hoffen wir, dass immer mehr Gartenbesitzerinnen und -besitzer mutig genug sind, ihre Projekte der Nachbarschaft und den Bekannten vorzustellen. Eine Aufwertungsmassnahme kann noch so klein sein, die Idee dahinter ist gross, denn sie hilft, unsere Lebensbedingungen zu verbessern. Und über Gutes soll man sprechen!